Projektübersicht
Keramik

Objekte aus Keramik handgefertigt von Priscilla Kämpfer in Zürich. Mein Versuch, die Zeit ästhetisch zu verfestigen und mit Ihnen zu teilen.

Kurzportrait

An der Schnittstelle von Handwerk und computergebundener Gestaltung

Was ich als Grafikerin an der bauhausorientierten Kunstgewerbeschule in Basel ausschliesslich von Hand zu gestalten lernte, geschieht heute in der grafischen Industrie mehrheitlich mit Hilfe von Computern. Vielschichtige handwerkliche Techniken wurden auf das digitale Medium übersetzt. Die Gestaltungsprozesse verkürzt. In einigen Werbeagenturen fehlen Pinsel und Farben im Materialbestand gänzlich. Ich stellte mich der Herausforderung, Grenzen und Eigenheiten der Machbarkeit auf die ich bei einer Technik auszuloten und darin die visuelle Sprache zu finden. So wurde Ende neunziger das Erforschen von Grenzen der technischen Schnittstelle zum Handwerk Konzept. Nur fehlt mir bei Computerarbeiten das haptische Erleben. Ich kann zwar tagelang im Sitzen mit der Maus wunderbare Farb- und Formwelten erschaffen, doch die dreidimensionale Erfahrung fehlt und ein Grossteil der Lebenszeit spielt sich vor einer flachen immer gleichen Bildschirmoberfläche ab.

Formgebung und Erfahrung

Als mir eine Freundin ihre Tonskulptur vorführte entflammte meine Sehnsucht mit Ton zu Arbeiten. Mit einem Schlag war ich zurückversetzt in eine Zeit, in der ich dem Experiment und der sich langsam entwickelnden Erfahrung durch das Tuen meinen Lebenssinn widmete. Ich und verspürte eine grosse Sehnsucht nach dem haptischen Schaffen. Ein Drang nach der Materialerfahrung. Das Eingreifen in den Raum, in dem ein neues Raumobjekt geschaffen wird. Die Beobachtung und Steuerung des auf der Form je nach Beschaffenheit sich verändernden Lichts und Schattens. Deren unmittelbaren Veränderbarkeit und der sich durch den Trocknungszustand des Tons ergebenen Grenzen der Bearbeitbarkeit. Auch ersehnte ich mir eine innere Auseinandersetzung während des Schaffensprozesses und eine Auseinandersetzung und Reflexion damit.

Wie ich zum Werkstoff Ton fand

Das Arbeiten mit Ton wurde mir an der Kunstgewerbeschule in Basel im Fach Raum vertraut. Dort entwarf ich während eines Jahres Formen aus Ton. Diese kleinen Tonexperimente untersuchte und sortierte ich in Entwurfsreihen. Anhand abzuleitender Eigenschaften wie Form, Struktur, Oberfläche u. Ä.. So näherte ich mich einer Form, die ich in grösserem Format in einer skulpturalen Arbeit ausarbeitete. Diese erste Erfahrung, wie ein Objekt aus hervorgehenden Erfahrungen und Entscheiden abgeleitet und ausgearbeitet wird, prägt meine Arbeit. Ein Blick auf einen zeitlichen Verlauf meiner künstlerischen Auseinandersetzung zeichnet einen der Intuition des Schöpfens folgenden Weg, durchbrochen, ergänzt und erwirtschaftet durch kommerzielle Arbeiten. Auf der Zeitachse bildet sich mein Werk ein Weg des Suchens und Entwerfen ab. Unterschiedliche Lebensabschnitte bringen verschiedene Themen an den Tag und nehmen Gestalt in meinem Werk. Zur Zeit befasse ich mit dem Hinterlassen und Erforschen von Körperabdrücken im Ton, dies bietet mir gerade eine Forschungsbasis für die Arbeit mit Ton. Z. B. meine Fingerspuren, die im Ton sich eingraben und nach dem Brand von anderen durch Anfassen und Tasten des Objekts als Erfahrung über gehen.

Der Lauf der Dinge

Mit meiner Lebenserfahrung, so erkenne ich mit vorangehender freier künstlerischer Arbeit , zeichnet sich mein Werk ab. Das Werk manifestiert sich körperlich in mir, ein Prozess, an dem ich mit Neugierde dran bleibe und mich auf dessen zu beobachtenden Verlauf freue und teilen möchte. Es ist mir ein Anliegen, über das Werk und eine Zusammenarbeit, Erleben und Erfahrungen zu teilen und weiter zu geben.

Lehr und Wanderjahre

Das arbeiten mit Ton nahm ich in der Werkstatt des Gemeinschaftszentrums Riesbach angeleitet durch die Keramikerin Therese Müller wieder auf. Weiter besuchte ich einen Drehkurs an der Migrosklubschule bei dem ich Ursula Früh als Lehrerin begegnete. In zwei einwöchigen Drehkurse bei Meinrad Hollenstein (einem Lehrmeister von Therese Müller) erweiterte ich meine Drehtechnik. An der Keramikfachklasse in Bern wollte ich mir weiteres keramisches Wissen aneignen, doch leider war diese für mich als Zweitausbildung unerschwinglich. Und so begebe ich mich weiter auf dem keramischen Weg als Autodidaktin.

Derzeitiges Atelier

Heute eröffnet mir Ursula Früh den Zugang zu ihrem Keramikatelier. Der erdige Geruch und das milchige Licht lassen mich in einen Raum abseits von der Büroathmosphäre eintauchen. Durch sie lerne ich Aspekte des Lebens als Keramikkünstlerin kennen und freue mich immer über den Kontakt mit ihr.

Werkphilosophie und Formensprache

Gebrauchskeramik fertige ich an der Töpferscheibe und überarbeite deren Form nachträglich. Kunstobjekte aus Keramik forme ich heute nur noch selten auf der Töpferscheibe. Viel mehr konzentriere ich mich das erforschen des Materials. Dadurch entstehen Objekte die sich aus der Auseinandersetzung mit dem Material und meinem psychischen Zustand ergeben. Angetan von der naturbezogenen Ästhetik, von Hand gefertigten Form und der psychologischen Auseinandersetzung beim Erschaffen und Betrachten. Der Entstehungsprozess eines Gefässes oder Objektes basiert im Rhythmus des sich Vertiefens und Veränderns der Form. Meine Objekte wirken leicht und vermitteln Erdbezogenheit.